Botschafter
Botschafter
Oktober 20, 2009 by Ole · 20 Kommentare
Der Botschafter ist eine gute Karte für 3 GE, die einen Angriff, der das Deck der Gegner mit unerwünschten Karten flutet, mit einer Quasi-Enstorgungsfunktion kombiniert.
Das macht den Botschafter auch zu einer sehr guten, häufig sogar essentiellen Startkarte. Das eigene Deck kann man um 2 schlechte Karten reduzieren (vergleichbar mit dem Verwalter) und das Deck der Gegner gleichzeitig um jeweils eine dieser Karten vergrößern, was besonders im frühen Spiel äußerst wertvoll ist.
Da viele Gegner auch schon von diesen Vorteilen gehört haben, wird man nicht selten damit konfrontiert sein, dass jeder irgendwann einen Botschafter hat und die Kupfer und Anwesen im Extremfall einfach hin und hergeschoben werden. In diesem Fall sollte man zum einen ernsthaft darüber nachdenken, einen zweiten Botschafter zu kaufen, und zum anderen alles dafür tun, die Karte so effektiv wie möglich zu nutzen. Dazu im Folgenden einige Anhaltspunkte:
2 Kupfer oder 1 Anwesen?
Nicht selten kommt es vor, dass man vor der Wahl steht, entweder 1 Anwesen oder 2 Kupfer, von denen man im Zweifel sogar noch einen Kauf tätigen könnte, zurücklegen zu können. Auch wenn man generell versuchen sollte, eher seine Anwesen als seine Kupfer loszuwerden, sollte man sich in diesem Fall in aller Regel von seinen beiden Kupfern trennen. Zum einen ist die Deckverbesserung damit deutlich effektiver und zum anderen wird damit automatische die Chance erhöht, in einem späteren Zug 2 Anwesen zurücklegen zu können. Im Prinzip gilt hier der gleiche Grundsatz wie bei der Kapelle: Lieber maximal entsorgen, als mit aufgehobenem Kleinkram noch eine mittelmäßige Karte zu kaufen.
Der Botschafter als reine Angriffskarte
Hat man es irgendwann geschafft, evtl. auch mit anderen Entsorgern, wie der Kapelle (die man dem Gegner im Midgame mit dem Botschafter auch recht schön “schenken” kann), eine sehr gutes Deck, im Idealfall ein perfektes Durchlaufdeck aufzubauen, schlägt die Stunde des Botschafters als reiner Angriff. Wichtig hierfür ist es natürlich, von den schlechten Karten, die man verteilen will (meist Kupfer und/oder Anwesen), mindestens eine im Deck zu behalten, die man dann bestenfalls in jedem Zug mit dem Botschafter zusammen zieht. Hat man einmal besonders schlecht gefrühstückt, kann man sogar dazu übergehen, nebenbei mal einen Fluch zu kaufen und den Botschafter als Hexe zu verwenden.
Der Botschafter als Abwehrkarte
Da der Botschafter schlechte Karten einfach wieder zurücklegt, ist er auch eine durchaus brauchbare Abwehrkarte gegen Fluchverteiler aller Art. Insbesondere, wenn der Gegner in einem entsprechenden Setup die Hexe in Runde 1 oder 2 kaufen kann, stellt Botschafter/Silber einen guter Konter dar. Im Gegensatz zu konventionellen Entsorgern hat der Botschafter den Vorteil, dass er dem Gegner die Flüche sogar direkt wieder zurückschicken kann. Ideal funktioniert der Botschafter natürlich gegen einen Kerkermeister (man bekommt den Fluch auf die Hand und kann ihn gleich wieder zurückgeben) oder – einen entsprechenden Kartenzieher mit Zusatzaktion vorausgesetzt – auch gegen die Seehexe.
Wann der Botschafter schlecht ist
Nun, im frühen Spiel ist der Botschafter ganz generell nie schlecht, solange keine besseren Entsorger, wie die Kapelle liegen (und selbst dann kann man zumindest kurz über einen Botschafter nachdenken, da er unter Umständen durchaus einer Ergänzung oder in seltenen Fällen sogar eine Alternative zu einer Kapellenstrategie sein kann). Problematisch sind für ihn – wie für die meisten Entsorger – Angriffe, die die eigene Kartenhand reduzieren, da man z. B. nach einer gespielten Miliz nur noch eine Karte (statt vielleicht zwei) loswerden kann. Ganz besonders aufpassen sollte man, wenn die Besessenheit ausliegt. Man kann – und sollte – zwar immer noch einen frühen Botschafter in Erwägung ziehen, im Midgame aber oder spätestens, wenn ein Gegner eine Besessenheit gekauft hat, sollte man versuchen, ihn so schnell wie möglich loszuwerden. Spielt der Gegner nämlich eine Besessenheit, kann er sich selbst mit Provinzen/Kolonien aus dem eigenen Deck beschenken und so das Spiel schon teilweise vorentscheiden. Man sollte daher eher ganz die Finger vom Botschafter lassen, wenn es keine Möglichkeit gibt, ihn später wieder irgendwie loszuwerden. Ein anderes Beispiel, in dem man natürlich keine Karten verteilen will, ist selbstverständlich, wenn der Gegner eine Gartenstrategie verfolgt. In diesem Fall will man in der Regel keinen Botschafter. Auch ein Gegner, der auf Leihhäuser setzt, dürfte sich über Kupfer eher freuen, und man sollte ihn damit nicht unbedingt beliefern.
Kombinationen
Viele echte Kombinationen im eigentlichen Sinne gibt es mit dem Botschafter nicht. Wird er als Angriff eingesetzt, ist er wie alle Angriffskarten sehr gut mit Thronsaal und Königshof, insbesondere wenn man über ein gutes Kettendeck verfügt.
Eine kleine Kombination gibt es aber dennoch. Den Gegner mit dem eigenen Kupfer zu “bereichern”, ist natürlich besonders schön, wenn man damit einem anderen Angriff, wie vor allem dem Piratenschiff, zusätzliches Futter bieten kann. Damit trifft man sehr konstant Geld und füllt sein Piratenschifftableau mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr schnell auf. Dass man in diesem Fall natürlich wieder einige Kupfer entsorgt, die man dem Gegner vorher organisiert hat, ist die Kehrseite der Medaille, sollte aber durch ein volles Tablau gerechtfertigt sein. Startet man ein Spiel mit Botschafter/Piratenschiff, kann man trotz des Risikos, beide Aktionen zusammen zu ziehen, seinem Gegner sehr früh einen einen ganzen Schritt voraus sein, der manchmal nur noch schwer aufzuholen ist.
Der Botschafter im Endgame
Im Endgame kann der Botschafter mit etwas Glück einen zusätzlichen Bonus bringen, wenn es darum geht, dass 3 Stapel geleert werden. Ist man selbst in Führung, kann man das Leeren eines Stapels beschleunigen (bzw. effektiv einen leeren Stapel herbeiführen), indem man nur Karten nehmen lässt und keine zurücklegt (was aufgrund der Formulierung “bis zu 2 Karten” durchaus möglich ist). Seltener kann im 1-gegen-1-Spiel auch einmal das Gegenteil der Fall sein, wenn man selbst hinten liegt und von einem fast leeren Stapel zwei Karten zurücklegen kann, während der Gegener nur eine wieder nimmt. Da fast leere Vorratsstapel aber häufig auf gute Karten hindeuten, sollte man diese Maßnahme wirklich nur als letzte Möglichkeit ergreifen, um das Spiel noch ein wenig hinauszuzögern.
Fazit:
Wenn nicht gerade eine Kapelle ausliegt, ist der Botschafter vielleicht eine der besten Startkarten, die man für 3 GE bekommen kann. Er verbessert das eigene Deck und schädigt gleichzeitig den Gegner, was insbesondere in den ersten Runden essentiell für einen angestrebten Sieg sein kann. Auch als reine Angriffskarte in funktionierenden Kettendecks kann der Botschafter ab und an nützlich sein. Aufpassen sollte man, wenn die Besessenheit ausliegt. Gibt es im Deck keine An-/Umbauten oder sonstige Möglichkeiten, den Botschafter rechtzeitig loszuwerden, sollte man in diesem Fall wahrscheinlich ganz auf ihn verzichten.
Gut mit: Piratenschiff
Gut gegen: Fluchverteiler, besonders Kerkermeister
Schlecht mit: -
Schlecht gegen: Besessenheit, Gärten, Leihhaus






