Dominion – Erweiterungen und Strategien für das Spiel des Jahres 2009 | Dominionblog.de
Maskerade

Maskerade

Juli 12, 2009 by admin · 15 Kommentare 

  • Kosten: 3

  • Nutzen: + 2 Karten, Alle Spieler (auch du selbst) müssen gleichzeitig eine Karte aus ihrer Hand an ihren linken Nachbarn weiter geben. Danach darfst du eine Karte aus deiner Hand entsorgen.

  • Funktion: Deckoptimierung

  • Kombos: Ein Metagame aus guten Angriffskarten und guten Reaktionskarten, die eine Handoptimierung im gegnerischen Zug erlauben.

  • Konter: Bessere Möglichkeiten, das Deck zu optimieren.

  • Kartentyp: Aktion

Bei der Maskerade handelt es sich um eine eher ambivalente Karte. In manchen Matchups ist sie sehr brauchbar, in anderen eine tote Karte oder schlimmer – sofern sie einem schlechte Karten “von rechts” einfängt. Wenn man eine Maskerade zu kaufen erwägt, sollte man daher das “Metagame” der anderen ausliegenden Königreichkarten im Kopf haben, insbesondere, da man die Maskerade gerne mit einer 3-4/4-3-Starthand kaufen möchte. Ich werde in der Analyse zunächst beide Einzel-Abilities der Karte besprechen (also den Umlauf von Karten sowie das Entsorgen) und danach beide Abilities zusammen.

Die erste Fähigkeit lässt einen Karten schieben. Wann will man das? Erstens, um unbrauchbare Karten aus dem Deck zu entfernen. Am Anfang will man also Anwesen und Kupfer weiterreichen, später evtl. unbrauchbar gewordene Karten wie die Kapelle. Zweitens, um den Gegner explizit zu schädigen, also etwa Flüche weiter zu geben. Für die Frage, ob sich der Kauf (und, bei wenigen Aktionen, das Spielen) der Maskerade lohnt, müssen also verschiedene Faktoren berücksichtigt werden. Eine erste Erwägung: Gibt es Flüche? Falls eine Hexe, Seehexe, ein Trickser (der früh potenziell viel Kupfer trifft) oder eine andere Fluchgeber-Karte im Umlauf ist, kann sich die Maskerade lohnen, gerade wenn man davon mehr hat als der Gegner. Man kann potenziell Flüche weiterreichen, mit dem Drawback, dass man den anderen Spielern dieselbe Möglichkeit eröffnet. Etwa der Botschafter ist hier vorzuziehen, aber auch eine Geldeinheit teurer. In Spielen mit wenigen +2-Aktions-Karten ist zudem fraglich, ob man im late game Aktionen für die Maskerade opfern will.

Die zweite Fähigkeit lässt einen eine Karte entsorgen. Das ist eine gerade am Anfang wichtige Fähigkeit, um das Deck von Kupfer und Anwesen zu befreien, kann einen aber im späteren Spiel auch – wie oben bereits erwähnt – Flüche oder nutzlose Karten loswerden lassen. Die Möglichkeit, die Karte zu entsorgen, die man weitergereicht bekommt, ist nicht zu verachten – denn meistens werden Mitspieler schlechte Karten weiterreichen. Man wird eine Maskerade nur spielen, wenn man eine zu entsorgende Karte hat oder auf diese “von rechts” spekuliert.

In Kombination beider Fähigkeiten ist die Maskerade nützlich. Während es sich beim Schieben der Karten um einen symmetrischen Effekt handelt, der also alle Spieler betrifft und bei dem letztlich der Erfolg von Faktoren bestimmt ist, die man nicht kontrolliert – wie Zufall der gegnerischen Hände, Erfolg der Deckoptimierung von Gegnern, Handoptimierung durch Reaktionskarten -, ist das Entsorgen einer Karte durchaus ein Grund, die Maskerade zu spielen. Da man erst die gegnerische Karte sieht, bevor man zum Entsorgen schreitet, hat man einen Informations-Bonus. Als bloße Entsorgungskarte taugt die Maskerade freilich nicht, eine Kapelle oder ein Umbau sind hier zu bevorzugen. Die Maskerade ist trotzdem eine Notlösung, wenn sich anderweitig nichts entsorgen lässt, da man zumindest die Option bekommt, zwei unbrauchbare Karten los zu werden (eine geschobene, eine entsorgte), wobei man statistisch bei gleichstarken Gegnern eine gleichwertige Karte geschoben bekommt.

Die Maskerade ist also sehr abhängig von ihrem Umfeld anderer Aktionskarten und von den Gegnern. Eine häufig gestellte Frage ist, ob die Maskerade Angriffspotenzial bietet. Grundsätzlich: Ja. Wenn Hand- und Deckoptimierung sehr weit fortgeschritten sind, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man Spieler dazu zwingt, Karten weiter zu reichen, die sie für ihren nächsten Zug gebrauchen könnten, um ihr Deck nicht zu verschlechtern. (Etwa ein Bergwerk abzugeben, um kein Gold aus dem Deck zu verlieren.) Das Problem ist, dass bei gleichstarken Spielern mit ähnlich optimierten Decks stets gute Karten weitergereicht werden. Die einzige Hoffnung auf einen aggressiven Einsatz der Maskerade ist hier, dass man Spieler mit verschiedenen winning options dazu bringt, wichtige Teile ihres nächsten Zuges weiter zu geben und “von rechts” ungenügenden Ersatz oder sogar schädliche Karten zu erhalten. Je weiter das Spiel fortschreitet und je mehr die Decks durch (bloße) Punktekarten aufgebläht werden, desto größer der Nutzen der Maskerade – denn keiner schiebt eine Provinz, um einen Jahrmarkt zu schützen.

Ich halte die Maskerade für eine gute, aber sehr skillintensive Karte. Man benötigt gutes Vorwissen über andere Karten und muss die Strategien anderer Spieler antizipieren können. Ich mag die Maskerade, gerade, weil sie eine anspruchsvolle Karte ist, die auch von gekonnten Spielern nicht immer korrekt gehandhabt wird.

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