Dominion – Erweiterungen und Strategien für das Spiel des Jahres 2009 | Dominionblog.de
Leihhaus

Leihhaus

September 18, 2010 by Ole · 9 Kommentare 

Leihhaus

Wenige Karten in Dominion haben eine so große Varianz wie das Leihhaus. Zieht man es unmittelbar, nachdem man sein Deck gemischt hat, ist die Karte vollkommen nutzlos. Zieht man sie jedoch kurz vor dem Mischen, so kann sie enorm viel Geld wert sein – sofern der Ablagestapel voll mit Kupfer ist.
Und damit haben wir gleich das erste Problem des Leihhauses – es ist darauf angewiesen, dass viel Kupfer im Deck ist. Im Normalfall will man dieses entsorgen, und wenn man die Chance dazu hat, sollte man es in der Regel auch tun und das Leihhaus links liegen lassen. Aber nicht jedes Setup hat einen Entsorger, und dann fängt das Leihhaus an, interessant zu werden.

Wie nutze ich das Leihhaus effektiv?
Um mit dem Leihhaus auch dann zuverlässig Geld einzufahren, wenn im Ablagestapel noch kein oder wenig Kupfer ist, hat man im Prinzip zwei Möglichkeiten:
1. Man “verschiebt” das Leihhaus mittels Hafen oder Burghof in den nächsten Zug, in dem man (hoffentlich) mehr Kupfer im Ablagestapel hat.
2. Man befördert Kupfer mit anderen Aktionskarten auf den Ablagestapel, um es dann mit dem Leihhaus wieder aufzunehmen. Der Keller eignet sich prima dazu, ebenso wie das Lagerhaus. Auch Gewölbe und Geheimkammer sind gut, haben aber den Nachteil, dass man noch einen Aktionsgeber braucht, um sie gemeinsam mit dem Leihhaus zu spielen.
Die genannten Karten harmonieren nicht nur gut mit dem Leihhaus, sondern sie sind auch genau in den Decks gut, die mit einem Leihhaus am meisten anfangen können – große Decks mit vielen schwachen Karten. Solche Decks haben oft das Problem, dass sie schwer auf viel Geld kommen, und das Leihhaus kann dieses Problem beheben.

Grundsätzlich ist das Leihhaus natürlich auch mit den anderen beiden Karten gut, die von Kupfer profitieren, Kupferschmied und Apotheker. Bei letzterem möchte man idealerweise zunächst mit dem Apotheker Kupfer ziehen, dieses dann per Keller oder ähnlichem profitabel auf den Ablagestapel werfen und dann mit dem Leihhaus wiederholen.

Da sich das Leihhaus in großen, unaufgeräumten Decks wohl fühlt, kann man auch ein zweites, evtl. sogar ein drittes kaufen. Das gilt insbesondere dann, wenn man es mit Burghof oder Hafen kombiniert, sodass man der Gefahr, zwei Leihhäuser im selben Zug zu ziehen, entgegenwirken kann. Hat man hingegen viele Filterkarten wie Keller oder Lagerhaus, reicht oft auch ein Leihhaus, da man es ohnehin schnell wieder zieht.

Auf sehr hohe Geldbeträge kann man in Verbindung mit einer Bank kommen, die von den zusätzlichen Kupferkarten natürlich stark profitiert. Schön ist es auch, mit dem Golem ein Leihhaus aufzudecken, da man idealerweise noch ein paar Kupfer aufdeckt, solange man nach dem Leihhaus sucht, und diese dann ablegt. Hat man außer Golems und einem Leihhaus keine andere Aktionskarte im Deck, kann man theoretisch sogar jede Runde sein gesamtes Kupfer auf die Hand bekommen. Dafür muss man nach dem Mischen aber einen Golem auf der Hand haben und darf das Leihhaus nicht gezogen haben. Solche Extrembeispiele sind natürlich witzig, wenn sie funktionieren, in der Praxis ist das aber vermutlich zu inkonsistent.

Das Leihhaus ist sogar eine Karte, die sich mit dem oft verschmähten Kanzler gut verträgt. Aktionsgeber spielen, mit dem Kanzler das gesamte Deck ablegen und dann alles Kupfer wiederholen ist stark.

Lohnt es sich mit dem Leihhaus eventuell sogar, zusätzliches Kupfer zu kaufen? Möglicherweise – sofern man daraus noch anderweitig Kapital schlagen kann. Als erstes fallen einem da natürlich die Gärten ein, die sich über zusätzliche Karten im Deck freuen. Gärten-Decks haben oft Probleme, viel Geld in einem Zug zu generieren, und das Leihhaus kann dabei helfen. Außerdem sind solche Decks gern groß und unaufgeräumt und spielen deshalb genau die Karten, die auch mit dem Leihhaus gut harmonieren (Keller, Lagerhaus, Gewölbe, Geheimkammer).
Eine weitere Möglichkeit stellen die Halsabschneider dar. Sie bringen von Haus aus den so wichtigen Extrakauf und einen zusätzlichen Siegpunkt pro Kupfer.
Wer zusätzliches Kupfer für sein Leihhaus kaufen will, sollte auf jeden Fall eifrig Extrakäufe einplanen, sowohl zum Kauf des Kupfers als auch um ein Leihhaus für 10 oder 12 GE wirklich gut ausnutzen zu können.

Interessantes Detail am Rande: Das Leihhaus ist eine der wenigen Karten, die tatsächlich gar keinen Nutzen aus einem Thronsaal oder Königshof ziehen.

Wogegen ist das Leihhaus gut, wogegen schlecht?
Das Leihhaus kann aus dem zusätzlichen Kupfer eines gegnerischen Quacksalbers unter Umständen Kapital schlagen. Sofern Quacksalber und Leihhaus ausliegen, solltet ihr aber in jedem Fall zunächst den Quacksalber kaufen und euch, falls es keine Entsorger, dafür aber Unterstützungskarten gibt, später ein Leihhaus zulegen.
Theoretisch kann man genauso mit zusätzlichem Kupfer eines Botschafters etwas anfangen, praktisch ist es aber so, dass ihr lieber selbst einen Botschafter kaufen solltet statt eines Leihhauses. Gegen die Anwesen (und evtl. Flüche), die bevorzugt geschoben werden, nützt es ohnehin nichts.
Angriffe, die einen Karten abwerfen lassen, wie Miliz, Kerkermeister oder Halsabschneider, können durch das Leihhaus zumindest teilweise kompensiert werden, da man abgeworfenes Kupfer umgehend wiederholt. Leider sind diese Angriffe aber recht effektiv gegen die typischen Unterstützungskarten des Leihhauses; ein Gewölbe oder ein Keller ist mit 3 Handkarten nur noch wenig beeindruckend.
Ähnlich sieht es mit dem Geisterschiff aus: Es stört das Leihhaus zwar nicht direkt, ist aber gut gegen die Karten, die ein Deck mit einem Leihhaus auch spielen möchte.
Wirklich gut ist das Leihhaus gegen den Beutelschneider, da es ihn praktisch komplett negiert.

Um gegen ein Leihhaus vorzugehen, kann man theoretisch dem Gegner mit Dieb oder Piratenschiff das Kupfer aus dem Deck fischen. Kauft man aber gleich zu Anfang oder auch kurz, nachdem der Gegner zum Leihhaus gegriffen hat, eine der beiden Karten, kann er natürlich schnell seine Strategie umstellen und sich freuen, dass man für ihn das Kupfer entsorgt! Fängt man erst dann mit Dieb oder Piratenschiff an, wenn der Gegner ohnehin schon mehrere Kupfer gekauft hat, ist man ohnehin viel zu langsam. Als richtige “Gegenmaßnahme” sind die beiden Angriffskarten jedenfalls nur sehr bedingt geeignet. Greift hingegen euer Gegner ohnehin zu Dieb oder Piratenschiff, sollte man das Leihhaus Leihhaus sein lassen.
Die Maskerade stört den Leihhausspieler irgendwann, da er früher oder später Kupfer weitergeben wird.
Die beste Karte gegen ein Leihhaus ist der Trickser, da man dem Gegner das Kupfer nicht nur wegnimmt, sondern es auch noch in Flüche verwandelt. Allerdings soll das nicht heißen, dass man einen Trickser gegen ein Leihhaus kaufen soll. Umgekehrt ist es richtig: Wenn der Trickser ausliegt, sollte man diesen ohnehin kaufen und tunlichst die Finger vom Leihhaus lassen!

Fazit
Das Leihhaus kann enorm viel Geld einbringen, aber dafür müssen viele Voraussetzungen erfüllt sein. Falls Entsorger ausliegen, ist es in der Regel besser, diese statt des Leihhauses zu kaufen und sein Deck kleiner und fokussierter zu halten. Liegen keine Entsorger aus, braucht man immer noch Unterstützungskarten, um zuverlässig Kupfer im Ablagestapel zu finden. Aber vielleicht sollte man es andersherum ausdrücken: Das Leihhaus ist eine Unterstützungskarte für Decks, die groß und unaufgeräumt sind und daher viele Filterkarten spielen (müssen). In diesen Decks nimmt es die oft problematische Rolle des Geldbeschaffers ein. Der ein oder andere Extrakauf hilft dabei.

Insgesamt ist das Leihhaus nur sehr eingeschränkt nutzbar. In vielen Setups ist es einfach zu schwach. Im richtigen Setup ohne Entsorger und mit den entsprechenden Synergien kann es aber extrem stark sein.

Gut mit: Keller, Lagerhaus, Bank, Gewölbe, Geheimkammer, Burghof, Hafen, Kupferschmied, Apotheker, Golem, Kanzler, evtl. Gärten, Halsabschneider
Schlecht mit: Allen Entsorgern
Gut gegen: Beutelschneider, Quacksalber, Miliz, Kerkermeister, Halsabschneider
Schlecht gegen: Trickser, Dieb, Piratenschiff, Maskerade

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